Honigreise – Sommerausgabe 2018

Titelbild Sommerausgabe Onlinemagazin Honigreise

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Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser, nun ist es soweit – die zweite Honigreise-Ausgabe ist erschienen. Mit neuen Texten verschiedenster Art wollen wir Ihnen die Urlaubszeit noch etwas sonniger machen. Ob Sie sich die Reisezeit mit unserer Lektüre etwas verkürzen wollen oder sich auf der Liege sonnen – mit den Artikeln der aktuellen Honigreise-Ausgabe vergeht die Zeit wie im Flug. Noch ein kleiner Tipp: Wenn Sie im Inhaltsverzeichnis auf einen Titel klicken, kommen Sie direkt zum jeweiligen Beitrag. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen der Sommerausgabe!

Du entgleitest mir.

„Und damit komme ich zu meinem vierzehnten Stichpunkt, also, ich meine, es kommt darauf an, ob man in einer Kon­sumhaltung ist oder – also, Erich Fromm…“, er unterbrach sich selbst und schaute knapp über ihren Kopf herüber. Seine rechte Faust um­fasste den linken Zeigefinger, den er wie die drei anderen Finger ausgestreckt vor sich herhielt, um mitzu­zählen. „Wie lange willst du noch einen Monolog halten?“, platzte es aus ihr heraus.

Eigentlich hatte er längst den Zug nehmen wollen, schließ­lich würde er am nächsten Tag das Vorstellungs­gespräch ha­ben, das er so eben zu simulieren versucht hatte. Sie trug ein rotes Kleid, gestreift, dreizehn, vierzehn … Wie ertappt hörte er auf zu zählen. Er wollte plötzlich ihre Haare streicheln. Ihr etwas sagen, wozu ge­sprochene Worte nicht ausreichten. Jetzt, wo sie beide die letzten Gäste der Feier waren. Die Gastgeber waren bereits in der Küche, um mit dem Aufräumen zu beginnen.

„Also, um die S-Bahn zu erwischen, dann, also müssten wir …“, Er stockte. „Komm, wir nehmen ein Taxi“, schlug sie vor. Er nickte. Er griff in sein Münzfach und ertastete einige 2-Euro-Münzen. Zwei, vier, sechs Euro … In der Vitrine spiegelte sich ihr Blick und er meinte, sie verdrehe die Au­gen – oder etwa nicht?

„Hast du schon gezählt, wie oft du heute Dinge schon ge­zählt hast?“, fragte sie trocken. Er wollte gerade be­ginnen, die Rechenaufgabe zu lösen, als sie ihre Hand um sei­nen Zeigefinger legte. „Ironie-Schild…“, sagte sie und er schau­te zu Boden.

Im Taxi setzte er sich nach vorne, sie auf die Rückbank. Er drehte seinen Kopf nach hinten und blickte links an ihrem Gesicht vorbei. „Ich mag es, wie du im richtigen Mo­ment auf die Meta-Ebene kommst“, hörte er sie sagen oder auch nicht.  Nachdem er den Taxifahrer bezahlt hatte, konnte er es sich nicht nehmen lassen, das Wechselgeld nach­zuzählen. „Zehn, elf … vierzehn …“, glaubte er sich flüstern hören. „Komm, wir machen Frankfurt unsicher“, sagte die Mün­ze. Hell. Der Taxifahrer räusperte sich und deutete auf da  weiterlaufende Taxameter. Er bemerkte, wie er seine Hand sah, die wie automatisch ihr Gesicht streichelte. Er sah seine Hand, die schon eine Minute den Türgriff fasste. Er zog den Griff zu sich, dann zögerte er.

Der Autor ist Betroffener von ADHS, Asperger und einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Die Kurzgeschichte hat autobiografische Züge, ist aber fiktional.

Stärke. Von Kate Heller

Wolf.
Einsam und allein zählst du die Tage,
siehst erste Sonnenstrahlen – dein Rudel erwartet dich.

Hoch oben im Norden,
Wo Eis und Schnee,
erst Skagerrak und Kattegat.
kontrollieren die See.

Bruder.
Das Herz einst deinem Rudel verschrieben,
trägst du deine Verantwortung mit Mut und Stolz – Fels in der Brandung.

Nordsee und Ostsee,
Die Wölfe noch warten,
vor weißen Klippen.
Rudelführer erwarten.

Schwester.
Deine Familie dich früh der Gefolgsamkeit gedrillt,
wobei stets Feinfühligkeit deine sensiblen Sinne lenkt – Ruhender Pol.

Wilde Kämpfe auf hohen Wipfeln,
Auszeit nötig, Luft zu holen,
Impulse stets doch sportlich fair.
auf Norwegens Preikestolen.

Doch während eure Stärke euch als größte Schwäche noch zu hängen vermag,
gemeinsam Geschwister verhelfen einander zu wahrer Stärke.

Kopfzerbrechen. Von Dennis Hofmann

„Ich zeichne im Grunde bereits, seit ich einen Stift halten konnte. Da ich früher viele Comics gelesen habe, entschloss ich mich irgendwann dazu, selbst welche zu entwerfen und unter meinem Künstlernamen „mchofmann“ (angelehnt an MC Escher) kreativ zu werden. In der Vergangenheit habe ich viele karikaturistische Darstellungen über Alltagssituationen und zu verschiedensten Personen angefertigt. Nachdem ich meine Ausbildung 2016 beendet und Arbeit bei einem Bildungsträger gefunden hatte, begann ich Zeichnungen zum Thema Arbeitsmarkt und Berufsfindung zu zeichnen. Im Laufe der Zeit habe ich ein 25 Meter langes Plakat und ein Buch veröffentlicht, welche sich mit oben genannten Themen auseinandersetzen. Mir ist es wichtig, in meinen Zeichnungen eine Verbindung zwischen Redewendungen und der bildlichen Darstellung  herzustellen, damit der Betrachter ein abwechslungsreiches und informatives Bild einer bestimmten Situation erhält. In der heutigen Zeit, in der viel um den heißen Brei herumgeredet wird, möchte ich mit diesen Karikaturen die abgekochtesten und brenzligsten Situationen der täglichen Tretmühle darstellen. Weiterhin fertige ich auch noch Kohle- und Aquarellzeichnungen, Kreidebilder und Acrylbilder an, welche unter anderem Tiere, Landschaften, Portraits und berühmte Charaktere aus Film und Fernsehen darstellen.“

– Dennis Hofmann

Die Website von MChofmann, mit Eindrücken von seinen Bildern, auch dem 25m laaangen Bild unter: http://www.mchofmann.de/

Honigreise Autismus-Magazin Cartoon Kopfzerbrechen

Die Zeichnung zum Thema Autismus fertigte Dennis Hofmann extra für die aktuelle Honigreise-Ausgabe an, wofür wir ihm besonders dankbar sind!

Integration in Arbeit von Menschen mit Autismus – ein Fallbeispiel. Von Sehriban Tura

Seit über 15 Jahren unterstützt die Salo-AG  Menschen mit Autismus bei der Arbeitsaufnahme. Seit drei Jahren ist dies nun auch mit einem Einzelcoaching möglich und dabei zeigt sich, was vorher klar war: Kennt man einen Autisten, kennt man genau einen Autisten. In der Praxis und mittlerweile weit über 100 beratenden Menschen mit Autismus bedeutet das: Immer neu schauen, immer einen passgenauen Arbeitgeber finden, immer neue Aufgaben lösen. Hier einfach mal ein Fallbeispiel, um von der Tätigkeit einen Eindruck zu bekommen.

Krisenintervention bei der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten

Diese Briefe müssen Sie ordentlich falten!“ sagten sie. Eigentlich recht unspektakulär – denkt man.

Für Herrn S. war diese Art der Formulierung jedoch quasi eine Aufforderung zum Versagen.
Er, ein 21-jähriger junger Mann in der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, der innerhalb der ersten Wochen seiner Ausbildung realisieren musste, dass es wohl doch nicht so gut läuft.
Klar war, es musste sich sehr schnell etwas ändern, um das Ausbildungsziel nicht zu gefährden.
Ändern – Ja! Aber wo fängt man an – mit dem Ändern?!?
Nach drei schwierigen Monaten der Ausbildung und kurz vor der Entlassung während der Probezeit, wurde über die Bundesagentur für Arbeit das Einzelcoaching initiiert.

Ziel Nr. 1: Schadensbegrenzung
Aufklären! Sensibilisieren! Verständnis schaffen,  für die besondere und vor allem individuelle Wahrnehmung von Herrn S. Nach einem ersten Info-Gespräch mit allen Mitarbeitern und Kollegen fiel es den Beteiligten nicht mehr so schwer, sich auf Herrn S. Besonderheiten einzulassen. Sie benötigten lediglich eine „Betriebsanleitung“ für den Umgang, die Kommunikation mit Herrn S.

Ziel Nr. 2: Sicherheit schaffen
Die Besuche des JobCoaches  im Unternehmen trugen dazu bei, dass sowohl Herr S., als auch die Mitarbeiter ihre auftretenden Fragen, unklare Situationen und effektivere Wege der Arbeitsausführung gemeinsam erörtern konnten.

Ziel Nr. 3: Ganzheitliche Betrachtung/Bewertung
Durch die regelmäßigen  Reflexionsgespräche mit Herrn S. und den Mitarbeitern vor Ort, hat der JobCoach die Möglichkeit, sich einen Eindruck der Arbeitssituation vor Ort zu verschaffen und Stressherde im Vorfeld zu erkennen und diesen entgegenzuwirken.

So erkannte der JobCoach weit bevor es Herr S. selbst erkannte,  dass die Reduzierung seiner Arbeitszeit unumgänglich ist, um einen „Burn-Out“ zu verhindern. Die Ausbildung wurde in eine Teilzeitausbildung umgewandelt. Seither ist Herr S. wesentlich entspannter und kann seiner Tätigkeit im Unternehmen nachgehen.

Ziel Nr. 4: Coaching auf allen Ebenen
Das Gefühl der Sicherheit wurde  natürlich auch in die Berufsschule und das Studieninstitut getragen. Aufklärende Gespräche mit Mitschülern und Lehrenden, wie auch Anträge zum Nachteilsausgleich trugen dazu bei, dass Herr S. einfach er selbst sein kann und nicht dafür verurteilt wird, dass er seine Klausuren in separaten Räumen schreibt oder die Klasse verlässt, wenn es etwas lauter zugeht.

Heute befindet sich Herr S. in seiner Abschlussprüfung und wird nach bestandener Ausbildung mindestens für die ersten sechs Monate übernommen. Undenkbar ohne das Jobcoaching.

Weitere Infos unter salohannover@salo-ag.de. Im Internet unter www.salo-ag.de/standorte/Hannover.
Aufgezeichnet von Sehriban Tura, Sozialpädagogin und seit 3 Jahren Jobcoach in diesem Bereich.

Unabhängige Freiheit – Ich liebe dich. Von Kate Heller

Hab ich dir heute schon gesagt wie sehr ich dich liebe?

In Anbetracht der jüngsten Fotoflaute unseres kleinen Dates haben wir zwei uns
angesichts der Temperaturen den Deich hinauf begeben, einen weiteren Sommer zu
verabschieden und ganz nebenbei noch ein Tänzchen in jungfräulich herbstlicher Sphäre
zu wagen. Versteht mich nicht falsch, wenn ich behaupte, dass es sehr wohl möglich ist
auf diese Weise für ein Kleid die Liebe zu empfinden, in der es einfach Spaß macht mit
ihm meine Zeit gleichermaßen zu teilen wie mit euch. So freue ich mich ganz besonders
über den mit diesen Fotos erfüllten kleinen Herzenswunsch.

Feuerrotes Temperament sucht seinesgleichen. Eine meiner
Lieblingsfarben verschmolzen mit dem Gefühl grenzenloser Freiheit.

Ich liebe dein Gefühl auf meiner Haut, jede Faser deiner Anatomie, in der
Art wie sie die meine charmant umspielt. Zart, ungebunden und frei uns
umtanzen, melodisch, liebe das Gefühl der Freiheit in dir, deine
Schwingungen, um jede Falte deiner unberührten Spielwiese.

Spiegel meiner Seele, mich in deiner Wohlfühloase zu aalen. Dein Feuer,
meine Leidenschaft, Libelle am Herzen um mich zu tanzen.
Du meine Hülle, ich deine Füllung.
Ein Kleid, sein Träger, unsere Unabhängigkeit vereint.

Ich liebe dich.

Honigreise Onlinemagazin Sommerausgabe Rotes Kleid

Die nächste Ausgabe des Honigreise-Magazins erscheint im Herbst und wird voraussichtlich auch internationale Beiträge enthalten. Wir hoffen, dass Ihnen die aktuelle Ausgabe gefallen hat und freuen uns über Rückmeldungen in den untenstehenden Kommentaren oder per E-Mail an honigreise@enactus.de. Herzlichen Dank an alle Autoren/-innen für die tollen Beiträge.

2 Gedanken zu „Honigreise – Sommerausgabe 2018

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