Honigreise – Frühlingsausgabe 2019

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Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser,

 „Kuck Kuck“ ruft’s aus dem Magazin: unsere neue Frühlingsausgabe ist da! Das Honigreise-Magazin bringt auch im neuen Jahr wieder erfrischend andere Artikel mit sich. Diese Ausgabe hält besonders vielseitige Themen rund um den Autismus vor – absolut lesenswert. Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit der Frühlingsausgabe.

Ihr Honigreise-Team

 

Wie Audiobeschreibungen Autisten/innen helfen. – Anonym

Seit einigen Jahren schalte ich Filme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf den zweiten Kanal, die Audiobeschreibung. Damit eröffnet sich für mich als Hörer eine Lernplattform. Welches Gefühl drückt die Person gerade mit ihrer Mimik aus? Was sind ihre wichtigsten Eigenschaften und äußeren Merkmale?

Ein Beispiel: „Herr Müller kommt nach Hause und beginnt sein Jacket auszuziehen. Alarmiert hält er inne“.

Als Autist stehe ich oft vor dem Problem, dass ich mir kurze Mikrobewegungen im Gesicht weder lange merken kann noch sie schnell deuten kann – wenn ich überhaupt Augenkontakt hatte. Durch die Audiobeschreibung kann ich lernen: Die Person fühlt das, also verzieht sie ihr Gesicht so. Auch die Beschreibung des Groben bzw. des Gesamtzusammenhanges ist für Autisten nicht einfach, da sie ausblenden, wie das Setting der Situation ist und vor allem auf Details blicken.

Somit ist Audiobeschreibung ein gutes Hilfsmittel.

 

Interview mit Körpersprache-Experte Stefan Verra

Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten im deutschen Sprachraum. Seine Vortragsreisen führten ihn bisher in 13 Länder auf vier Kontinenten. Er ist Gastreferent mehrerer Universitäten, Bestsellerautor und teilt seine Tipps und Körpersprache Analysen auf www.stefanverra.com.

1. Wie kamen Sie dazu, Körpersprache-Experte zu werden?

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich mit der menschlichen Körpersprache. Es hat keinen bestimmten Auslöser gegeben. Aus einem Interesse wurde ein Lebensinhalt.

2. Seit wann geben Sie Workshops speziell für Autisten?

Seit circa 3 Jahren.

3. Wie sind Sie darauf gekommen diese Zielgruppe zu wählen? Haben Sie im eigenen Umfeld vorher bereits Erfahrungen mit Autismus gemacht?

Betroffene und Angehörige sind auf mich zu gekommen. Sie waren von meiner ganzheitlichen Betrachtung der non-verbalen Signale angetan. Ich lehne das bruchstückhafte Zerklauben in Einzelsignale ab. Denn es führt immer zu falschen Schlüssen. Das kann besonders für Autisten sehr unangenehm werden. Ich persönlich habe keine Angehörigen mit Autismus.

4. Was sind die Besonderheiten, die sich bei der Durchführung von Workshops für Autisten im Vergleich zu Ihren anderen Seminaren ergeben?

Ich versichere immer gleich zu Beginn, dass es keine Sonderbehandlung gibt. 🙂 Das heißt, wir werden den gleichen Spaß wie Nicht-Betroffene haben. Und das bewahrheitet sich immer.

Ich will Betroffenen ein wenig Leichtigkeit mitgeben – viele wissen nicht, dass mehr in ihnen steckt als sie meinen. Zu oft beschäftigen sie sich mit Dingen die „nicht“ gehen. Ich zeige ihnen, dass mehr in ihnen steckt, als sie bisher genützt haben.

5. Welchen Schwierigkeiten begegnen Ihnen bei den Workshops für Autisten?

Ich lerne immer wieder, dass manche Autisten ihre Eigenheit durch die Krankheitsbrille betrachten. Ein Hinweis dafür ist, dass viele für jede noch so kleine Normvariante einen Fachausdruck parat haben. Ich plädiere ganz stark dafür, nicht alles sofort auf Autismus zurück zu führen. Sonst fühlt man sich selbst nämlich noch mehr „anders“, was bei objektiver Betrachtung.  

6. Was bereitet Ihnen an den Workshops mit Autisten besondere Freude?

Ja, das ist eine gute Frage: Am meisten freut es mich, dass meine Art – sie als normale Menschen zu behandeln – so gut ankommt. Mit großem Respekt und viel Selbstironie ist jeder Workshop eine große Freude. 🙂

7. Konnten auch Sie von den Autisten etwas lernen und wenn ja, was?

Leiser zu sprechen! Das war eine echte Lernerfahrung. Mein Stimmorgan muss sich manchmal durch große Gruppen durchsetzen. Deswegen bin ich manchmal zu laut. Bei Autisten habe ich gelernt, dass das manche überfordert. Dafür bin ich dankbar. Ich war also gezwungen meine stimmliche Vielfalt zu erweitern.

8. Wie sind Ihre Workshops aufgebaut? Was sollten die Teilnehmenden am Ende auf jeden Fall verstanden haben?

Es gibt zwei Ebenen: Ich gebe ihnen konkrete Tipps mit, was sie an ihrer Mimik und Gestik gestalten können. Zum anderen arbeiten wir an einem gesunden Zugang zur eigenen Körpersprache. Denn schon mit sehr kleinen Mitteln kann die Kommunikation ganz stark verbessert werden.

9. Welche Geste sendet Ihrer Erfahrung nach am häufigsten die “falschen” Signale? Und woran liegt das?

Es gibt in der Körpersprache keine „falschen“ Signale. Bitte niemals Signale als solche verteufeln. Je mehr wir das nämlich machen, desto mehr reduzieren wir unsere Ausdrucksvielfalt. Das Einzige, was gilt: Es gibt Momente, wo man mit bestimmten Signalen eine falsche Auswirkung erzielt. Aber das macht das Signal noch nicht „falsch“. Wer also zornig dreinschaut, erzielt bei einer Begrüßung vielleicht eine ungewünschte Wirkung. Wer aber den zornigen Blick gar nicht mehr zur Verfügung hat, der kann in unangenehmen Situationen nicht mehr deutlich „NJET!“ signalisieren. Wir brauchen also die volle Bandbreite.

Viel wichtiger ist, dass man lernt Reaktionen auf den anderen zu zeigen. Egal ob Ärger, Freude, Erstaunen oder Angst. Wer das nicht zeigt, erntet meist Misstrauen. Das gilt übrigens auch für viele Angehörige. Um es bildhaft zu machen: Wenn man jemanden ein Geschenk überreicht und der Beschenkte zeigt keine Reaktion, keimt der Gedanke auf: „Vielleicht gefällt es ihm nicht. Ach, der ist aber mit gar nix zufrieden. So ein undankbarer Mensch.“ Deswegen: zeigt Reaktionen mit eurer Mimik, Gestik und Haltung.

10. Unabhängig von Ihren Veranstaltungen auf Ihrer Webseite, können Unternehmen, Vereine etc. Sie kontaktieren und für einen Workshop engagieren?

Der beste Weg ist, sich erstmal den wöchentlichen Körpersprachetipp auf meiner Homepage zu holen. Und dann empfehle ich jedem: Betroffene und Angehörige: kommt zu einer meiner Live-Shows bzw. Seminar. Dort erfahrt ihr schon unglaublich viel – und wahrscheinlich seid ihr nicht die einzigen Autisten bzw. Angehörigen im Publikum. Und ihr werdet am Ende nie wissen ob ihr mehr gelacht oder mehr gelernt habt. Termine gibts auf www.stefanverra.com

 

Wer will, dass Emotionen ankommen, muss sie auch zeigen.

 

 

„Nur zu zweit“ von Monika Karner. – Rezension

In dieser Frühlingsausgabe wollen wir Euch das Buch „Nur zu zweit“ von Monika Karner vorstellen.

Kurzbeschreibung:

So konnte es nicht weitergehen: Am Ende eines heißen Sommers verlässt Linda ihren Ehemann Rolf. Viel zu lang stand sie zwischen zwei Männern – ihrem autistischen Sohn und Rolf, der seinen Frust über die Beeinträchtigung des Sohnes in Alkohol ertränkt. Die Kombination aus Autismus und Alkohol wird zur unerträglichen Belastung. Linda entscheidet sich für das Kind. Es bestimmt ihr Dasein und lässt sie um Verständnis und bessere Lebensbedingungen für autistische Menschen kämpfen. Der Beginn neuer Beziehungen ist für die attraktive Frau unproblematisch – aber ihr Sohn wird abgelehnt. Weitere Trennungen folgen. Einzig die Verbindung zwischen Mutter und Kind bleibt ein unzerreißbares Band. Dann begegnet Linda Martin; er bringt sie dazu, an eine gemeinsame Zukunft zu glauben. – Doch auch diese Liebe könnte wegen des blutigen Racheakts einer Freundin scheitern.

Die Autorin bei einer Selbsthilfe-Veranstaltung
Das Buchcover

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Monika Karner ist eine Autorin aus Österreich. Sie ist Mutter eines Autisten und seit mehreren Jahren engagiert sie sich als Vorstandsmitglied im Verein der Autistenhilfe Vorarlberg. Monika Karner hat uns eine kurze Beschreibung über ihre Person und ihr Buch zukommen lassen:

„Mein Sohn ist 53, ich 76, das bedeutet, unsere ersten Erfahrungen kommen aus einer Zeit, in der Autismus kaum bekannt war. Für den dreijährigen lautete damals die Diagnose ‚hörstumm‘, weil er zwar hört, aber nicht spricht. Zusätzlich galt er als geistig behindert. Ein schwerwiegendes Urteil. Ich war verzweifelt.

Es gab weder den passenden Kindergarten, noch eine Schule. Eine Art Vorkindergarten in der Schweiz schien endlich doch das Richtige zu sein, bis etwas ungemein Schwerwiegendes geschah. Mein Sohn konnte wieder nur zu Hause sein und es begann wiederum die Suche nach einer geeigneten Spezialschule. In der Nähe von Ravensburg fanden wir in den ‚Zieglerischen Anstalten‘ die passende Stelle. Als die Schulzeit zu Ende war, kamen neuerlich große Probleme auf uns zu.

Im Buch ‚Nur zu zweit‘ habe ich all das und viel mehr, nämlich wie es weiter ging und welche Kämpfe und Schwierigkeiten uns bevorstanden, geschildert, allerdings aus Sicht der Mutter. Tatsache ist: es endet nie.

Ich freue mich über jede Unterstützung, denn es ist ungemein wichtig, dass auch unsere alten und älteren Autisten, die nie Integration oder Inklusion erfuhren, einen guten Platz zum Leben finden. Dieses Bedürfnis war der Anstoß
‚Nur zu zweit‘ zu schreiben. Der Titel deshalb, weil Mütter sehr oft mit ihrem Kind allein dastehen und nur schwer einen Partner finden, der auch das Kind annehmen will.

Das Buch ist teilbiografisch, weil ich für meine Leserinnen und Leser nicht nur Schweres schildern wollte, sondern auch gute und sehr schöne Begebenheiten. Es sollte spannend sein.“

Die Autorin und ihr Sohn

 

Die Autorin und ihr Sohn, heute

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschließend präsentieren wir noch eine kurze Rezension über das Buch, geschrieben von Maga Karin Schmidt:

Monika Karner, die selbst einen autistischen Sohn hat, schreibt in diesem autobiografisch gefärbten Roman über den herausfordernden Drahtseilakt von Linda, der Mutter eines nonverbalen Autisten, zwischen dem Wunsch, ihrem geliebten Sohn gerecht zu werden und auch selbst ein erfülltes Leben zu führen. Beziehungen scheitern nach kurzer Zeit, weil es Linda “nur zu zweit“ gibt und die jeweiligen Männer nicht mit Autismus umgehen können oder wollen. Bis Martin in ihr Leben tritt – doch auch diese Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Der Roman liest sich trotz dieser vielschichtigen, belastenden Thematik sehr leicht und die Handlung ist mitreißend erzählt. Der Autorin gelingt es, die alltäglichen, realen Schwierigkeiten zu Hause, unterwegs, mit Behörden und im Wohnheim auf eine Weise einzuflechten, die nichts beschönigt und dennoch Mut macht und Wege zeigt, wie trotz der Behinderung Lebensqualität für alle Beteiligten möglich ist.

Das Buch ist in jeder Buchhandlung oder bei sämtlichen Bücher-Versandhändlern zu erwerben.

 

Unverbiegbar. – Anne-Doreen Koepp

Mein Kind hat eine Deformation im Kiefer, die genetisch bedingt ist. Wir wissen darum und kümmern uns dementsprechend, soweit es die Möglichkeiten und die Belastbarkeit meines Kindes erlauben.

Nun kam es dazu, dass wir deswegen einen Kieferorthopäden aufsuchen mussten, um weitere Behandlungsstrategien zu besprechen.
Was wir dort erlebt haben, lässt mir keine Ruhe und abermals frage ich mich, wie weltfremd und, ja, herzlos, Menschen sein können.

Da steht mein Kind, eingeschüchtert von der arroganten Dominanz dieses Arztes neben mir, versteckt sich hinter mir und der Arzt sagt wortwörtlich folgendes:“ Wir haben hier ein krasses Ding, diese Diagnose, das Röntgenbild zeigt es ja. Und auch wenn er Autist ist, die muss man sich dann auch schon mal hinbiegen, diese Autisten. Das geht so nicht. Da muss man dann mal hart ran und die zurechtbiegen.“

Ich bin wahrlich kein Mensch, dem leicht die Worte fehlen, aber in diesem Moment stand ich da. Sprachlos. Den Tränen nahe. Ohnmächtig, entsetzt, wütend, hilflos.
Was tut man/ihr/Mensch in so einer Situation? Für mich ist klar, dass wir dort nie wieder hingehen werden. Aber reicht das? Wäre nicht Aufklärung, Sensibilisierung, ein Nachgespräch sinniger?

„Zurechtbiegen“. Mein Kind ist kein Gegenstand, der in irgendeiner Form verbogen wird. Er ist ein Mensch, mit Gefühlen und dem Recht auf Würde. So über mein Kind in seiner Gegenwart zu sprechen, ist falsch, unmoralisch und einfach nur schlimm. Ich wünsche mir sehr, dass dieser Kieferorthopäde den Artikel liest, und vielleicht einfach nochmal über seine Aussage nachdenkt.

Wer bitte sind denn eigentlich „diese Autisten“?

 

Mit Musik Brücken bauen. – Clara Chill

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Victor Hugo (1802-1885)

Musik berührt uns direkt und spricht unsere Emotionen an. Beim Hören von Musik werden wir selbst zum Ort des Geschehens. Musik ist nicht greifbar und erwacht erst in uns zum Leben. Durch Musik können wir dem Chaos der Welt entfliehen… und das ist vor allem für diejenigen wichtig, auf die die Reize ungefiltert einwirken.

Menschen mit Autismus haben oft eine zu hohe Sensibilität gegenüber dem Lärm der Welt. Auch Musik ist für sie nicht einfach anzunehmen. Klänge reflektieren an der Wand oder an Gegenständen und treffen in großen Zeitabständen erst im einen, dann im anderen Ohr ein. Manchmal klingen die schönsten Melodien verzerrt, oder Rhythmen hören sich wie ratternde Maschinen an. Die Reaktionen im autistischen Menschen darauf sind nicht vorhersehbar: In einem Moment entfaltet die Musik all ihre Wunder, und im nächsten Moment tut sie einfach nur weh.

Als Komponistin suche ich nach Möglichkeiten, Musik und Klang in den Alltag autistischer Menschen zu bringen. Wie kann die Wirkung von Musik und Klang trotz der hohen Sensibilität auf angenehme Weise genutzt werden?

Es entstand die Idee, einen musikalischen Alltagsbegleiter für Autisten zu entwickeln. Er soll helfen, sich Rückzugsräume zu schaffen, um die Reizüberflutung zu verarbeiten. Er soll als Brücke dienen – eine Brücke, auf der wir uns begegnen können. Dazu braucht es keine körperliche Berührung, oder Worte, ja nicht einmal Blickkontakt, der Menschen mit Autismus schwerfallen kann. Denn Musik wirkt auf einer ganz anderen Ebene.

Durch die Begegnung mit dem Start-Up inmutouch aus Dänemark konnte ich meine Idee umsetzen. inmutouch hat ein sensorisch-stimulierendes System für Menschen mit Demenz konzipiert. Die Musik hilft den Betroffenen, sich zu erinnern. Wie Autismus ist auch Demenz eine Wahrnehmungsstörung, bei der es schwerfallen kann, Reize richtig einzuordnen. An dieser Stelle setze ich mit meinem Projekt an, um das Gerät weiterzuentwickeln und an die Bedürfnisse autistischer Menschen anzupassen.

Dabei ist ein interaktives Klangkissen entstanden. Allein durch Berührung entfaltet es einen Raum aus Tönen, in die man versinken und der man lauschen kann. Die Musik ist interaktiv, gleichsam aber auch strukturiert, um beim Menschen mit Autismus typische Denk- und Wahrnehmungsmuster widerzuspiegeln. Es gibt einen Grundklang, der den Zuhörer räumlich ‚umhüllt‘ und dadurch ein Gefühl der Sicherheit erzeugen kann. Durch das Drücken auf der Oberfläche des Kissens lösen tiefe Klänge rhythmische Schwingungen aus, die beruhigen und Freiraum für Emotionen und Gefühle entstehen lassen. Werden die Bewegungen größer, wird diese Energie durch melodische Elemente wiedergegeben. Auf diese Weise kann man sich auf die Suche nach Klängen machen, die Klangwelt mit all ihren Facetten entdecken und gleichzeitig Ruhe und Geborgenheit erleben.

Seit Anfang 2019 wird der Prototyp in einer Pilotstudie mit Familien und Therapeuten auf seine Wirksamkeit getestet. Die Teilnehmer bewerten das Klangkissen vor allem positiv, da es Musik sozusagen fühlbar und sichtbar macht und auf diese Weise als multisensorisches Hilfsmittel genutzt werden kann.

Manche der Familien kombinieren das Klangkissen mit Düften oder Ölen, um alle Sinne anzusprechen:

„Heute hatte er einen ganz heftigen Wutanfall mit Schreien und selbstverletzendem Verhalten. Ich habe ihm dann ätherische Öle und das Klangkissen gegeben und ihn gebeten zu lauschen, welche Klänge er hören kann. Er hat sich innerhalb weniger Sekunden vollständig entspannen können.“ (Mutter eines Teilnehmers, 10 Jahre alt)

Den Kindern dient das Klangkissen insbesondere zur Stressbewältigung, um sich in herausfordernden Situationen zu beruhigen. Es lenkt sie von ihren negativen Gefühlen und Gedanken ab, aber auch von äußerlichen Reizen, die Stress verursachen. Manchen hilft es sogar Selbststimulation und Autoaggressionen umzulenken:

„Sie nahm es immer dann, wenn es ihr alles zu viel wurde. Sie legte dann ihr Ohr auf das Klangkissen und blieb kurz damit stehen. Nach weniger als einer Minute war es wieder vorbei und sie legte es weg. Wir hatten den Eindruck, dass sie diese kurzen Klangpausen nutzte, um sich zu erden.“ (Mutter einer Teilnehmerin, 2,5 Jahre)

„Er mag das Klangkissen sehr und erkundet es mit dem ganzen Körper. Er presst es gerne fest an sein Kinn. Damit ersetzt er andere Elemente (z.B. Körper anderer Menschen), die er sonst mit dem Kinn presst, um sich zu spüren. Durch ruckartiges Stoßen mit dem Kinn erzeugt er Töne und Vibrationen.“ (Mutter eines Teilnehmers, 7 Jahre)

„Es hat eine sehr beruhigende Wirkung. Selbststimulation (Armeflattern) trat während der Verwendung des Klangkissens durch meinen Klienten kaum auf.“ (Therapeutin eines Teilnehmers, 9 Jahre alt / nach 5 Therapie-Einheiten)

Auch in Konfliktsituationen, funktioniert es:

„Am Sonntag gab es eine Stresssituation mit ihm und mir. Bei einem Wutanfall hat er sich das Klangkissen geschnappt, ist in sein Zimmer gegangen und hat sich mit dem Kissen wieder beruhigt.“ (Vater eines Teilnehmers, 7 Jahre)

„Er und sein Bruder hatten gleich heute früh einen Streit. Da nahm er sich das Klangkissen und suchte sich damit eine ruhige Ecke. Es half ihm dann dabei, sich schneller wieder zu beruhigen.“ (Mutter eines Teilnehmers, 12 Jahre)

Durch die Interaktion mit dem Klangkissen wird der Bewegungs- und Körperwahrnehmungssinn angeregt, wodurch sich der Körper lockern kann. In einem entspannten Zustand lassen sich Aufgaben viel leichter bewältigen und so nutzt einer der Teilnehmer das Klangkissen sogar, um seine Hausaufgaben zu machen:

„Normalerweise krampft er beim Schreiben und wird sehr schnell frustriert. Er hatte das Klangkissen unter der linken Hand und spielte mit unterschiedlichem Druck auf der Oberfläche. Gleichzeitig schrieb er mit der rechten Hand sehr entspannt und ohne Krämpfe.“ (Mutter eines Teilnehmers, 13 Jahre alt)

Besonders schön fand ich, als mir Eltern erzählten, dass das Klangkissen für sie ein kommunikatives Medium darstellt, das ohne Worte funktioniert. Gerade in Stresssituationen ist das wichtig, da sie ihr Kind über das Klangkissen wieder ‚zurückholen‘ können, ohne dass sie was sagen oder erklären müssen:

„Ich glaube, dass er versteht, dass ich ihm mit dem Klangkissen helfen möchte zu entspannen. Er reagiert auf Anweisungen meinerseits, wenn er sich gerade schlecht fühlt. Er ist also offen für Vorschläge, was ansonsten nicht immer der Fall ist.“ (Mutter eines Teilnehmers, 10 Jahre)

„Wenn wir Autofahren hat sie sonst immer geweint oder gegen die Scheibe geschlagen. Dann kam das Klangkissen zum Einsatz. Sie lauschte den Klängen, lautierte mit und war dabei ganz ruhig. Es war ein tolles Gefühl, entspannt Auto zu fahren. Seitdem konnten wir auch längere Strecken ohne Probleme fahren. Alle kamen entspannter und geruhter an.“ (Mutter einer Teilnehmerin, 8 Jahre)

Aber auch zur gemeinsamen Beschäftigung dient das Klangkissen und erleichtert den Zugang und das Miteinander. Es wird in Rituale und Spiele integriert und fördert dadurch die Interaktion zwischen Eltern und Kind:

„Normalerweise spielt er lieber allein. Jetzt bittet er mich, zusammen zu spielen und das Klangkissen zu rollen oder seine Spielzeugtiere in der Tasche vom Kissen zu verstecken.“ (Mutter eines Teilnehmers, 5 Jahre alt)

Manchen Kindern hilft das Klangkissen beim Einschlafen:

„Wenn sie nicht schlafen kann, fragen wir sie, ob sie das Klangkissen will. Sie antwortet immer mit ja und legt dann ihren Kopf darauf. Seitdem ist sie mehrmals damit eingeschlafen oder hat sich während des Mittagschlafs mehr im Bett ausgeruht.“ (Mutter einer Teilnehmerin, 2,5 Jahre)

Der Prototyp war der erste Schritt für mich, Musik multisensorisch im Alltag autistischer Kinder einzusetzen. Nun bin ich auf der Suche nach Fördermitteln, um die Entwicklung voranzutreiben. Ich bin überzeugt, dass das Klangkissen – wenn es in naher Zukunft fertig ist – für viele Kinder und Erwachsene ein wirkungsvolles Hilfsmittel sein kann.

Zum Thema Klang und Autismus werde ich weiterforschen. Es gibt viele Möglichkeiten Musik als Medium zur Kommunikation und Förderung für Autisten einzusetzen. Durch ein differenziertes und feineres Klangbild können ihnen vielleicht genau die Frequenzen zur Verfügung gestellt werden, die das Wohlbefinden fördern. So kann sich ein Mensch mit Autismus selbstständig ins Gleichgewicht „stimmen“ und kommt „in Einklang“ mit sich und der Welt.

Mehr zum Projekt gibt es auf Claras Webseite: www.klangkissen.wordpress.com

 

A Song of Spring. – Kate

Spontanität ist die größte Freiheit, die unserem Abenteuer Spannung verleiht. Das, was wir daraus machen, ist die Farbe auf der Leinwand unseres Lebens. Was alles sich erlebt, wenn wir einmal mehr auf Reisen, Event- oder Fototour gehen, um nicht nur für euch, sondern auch für uns gemeinsam das Bestmöglichste aus dem zu schöpfen, was einst um diese Heimat der Vergänglichkeit uns geschenkt. Viel zu befristet, einen Augenblick zu verpassen. Um auch nur eine Leidenschaft ungelebt zu lassen.

Bezaubernde Stille um den heute von der Sonne befeuert so pittoresk gelegenen See, mildert die kernige Frühlingswärme am Rande verlassen ruhender Sphäre, während zarter Windhauch die alten Gräser sanft durchstreift. Noch kupferner Saum unberührter Uferpromenade vermischt sich mit der zahlreich ersten Sprossen jenes der Sonnenstrahlen charmant erwecktem Saftgrün zu deren Füßen, an denen heroisch wandern smaragdne Fasern auf hölzernem Grund. Der leichte Stoff über blasser Haut entgegen peppig bunter Akzente getupft auf Jeansblau im Antlitz heute zur Verfügung gestellter Atmosphäre, erlebten sich bereits wonnig wundervollen Minuten auf seiner kleinen Insel. Überraschend elegant und athletisch feminin trifft in den Farbtopf gefallen ein durchgeknalltes Papagei-Cowgirl. Auf jüngster Fototour, verschlagen in den Stadtpark Speckenbüttel am nördlichen Tor Bremerhavens, seinem Stadtteil Lehe, welche sich schlussendlich am Weserufer nahe der Hafenwelten fortsetzte.

Blütezeit weckt Libido zugleich bei den Lebensgenossen auf ihrer Spielwiese. Sinnlich erleben Besucher die fröhlich entfachte Leidenschaft unter dem wachsamen Auge einer Kamera im gleißenden Lichtkegel behutsam warm wahrender Sonnenstrahlen, in welcher sich spätestens jetzt auch sämtliche Bindung zur Außenwelt löst. Sie werden eins mit der Umgebung, Kinder ihrer Natur, watteweiche Haut.

Bitte nehmt euch in eurem Gedankennetz niemals selbst die Freiheit weg, zu tun wonach in unserem Abenteuer euch der Sinn steht, ganz gleich, was Artgenossen wohl von euch denken mögen. Um einander zu lieben bedarf es weder mentaler Überwindung, nicht Mann und Frau, noch jeglich zweideutigen Hintergrund und entspricht sie schon recht nicht zwangsläufig bestehender Partnerschaft. Schließlich bleibt auch Freunden das Privileg offen, einander jederzeit bedingungslos zu lieben, wann und wo immer  sie sich danach sehnen. Somit stehen uns die Türen offen, nicht nur zu einem glücklicheren Leben, als auch dazu, den  eingeschränkten Fokus der Gesellschaft mit jedem Mal ein Stück weit zu mindern.

Wie immer freuen wir uns über Rückmeldungen in den untenstehenden Kommentaren oder per E-Mail an honigreise@enactus.de. Ein großer Dank geht an alle Autoren/-innen für die tollen Beiträge und an unsere zahlreichen Leser/-innen!

 

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