Honigreise – Frühlingsausgabe

Titelbild Frühlingsausgabe Onlinemagazin Honigreise

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Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser! Wir freuen uns sehr, dass nun unsere erste Ausgabe des Online Magazins „Honigreise“ erschienen ist. Nach mehreren Wochen voller Ideen und Hoffnung ist etwas Konkretes daraus geworden und so bietet diese Ausgabe eine bunte Mischung aus Beiträgen verschiedenster Art. Über Rückmeldungen in der Kommentarfunktion am Ende des Magazins oder per E-Mail freuen wir uns natürlich sehr, damit wir das Magazin weiter verbessern können. Wenn Sie im Inhaltsverzeichnis auf einen Titel klicken, kommen Sie direkt zum jeweiligen Beitrag. Ob Erfahrungsbericht, Gedicht oder Buchtipps – wir wünschen Ihnen ganz viel Spaß beim Lesen! Das Honigreise-Team

Aspi? Nein, danke. Von Lassaad Chaari

Stellen Sie sich vor, sie leben in einer anderen Welt, eine imaginäre Welt, in der Sie die Hauptrolle von einem Film spielen. Ein Held mit Superkräften, versteckt hinter einer gutaussehenden Maske. Sie haben das Gefühl, dass alles nach Ihrem Plan läuft, nach einem digitalen logischen Plan. Sie nehmen alles anders wahr, achten auf jede Kleinigkeit, überprüfen alles mehrmals, leben in einem Dauerangstzustand, damit die anderen Teilnehmer von Ihrem Film nicht merken, dass sich hinter der Maske einfach ein kleines ängstliches Kind versteckt!

Mein Name ist Lassaad, ich bin 37 und möchte mit meiner Story niemanden verletzen oder nah treten. Berühmt sein oder in der Mitte zu stehen waren nie meine Ziele. Ich nehme gern für Sie die Maske ab, vielleicht kann ich mit meinem Handeln anderen den Mut geben, diesen Schritt zu machen oder mindestens ein paar andere Gedanken zu haben, auch wenn es nur eine Person ist. 

Ich bin in Tunesien aufgewachsen, komme aus einer intellektuellen Familie. Ich war immer der Beste in der Schule, obwohl ich immer allein gelernt habe. Meine Eltern und mein Lehrer wollten sogar, dass ich ein paar Klassen überspringe, weil sie dachten, dass es mir vielleicht langweilig in der Klasse ist. Ich hatte nie einen besten Freund, ich kannte jeden. Meine besten Freunde waren Angst und Perfektion, meine Feinde Fehler und Lügen. Ich war immer ein Einzelgänger, habe gern Heldenfilme geguckt und habe mich in der Rolle großartig gefühlt. Ich bin hungrig nach Wissenschaft, will immer was Neues lernen und habe eine besondere Fähigkeit, viel und schnell alles aufzunehmen und zu speichern. Ich spreche und schreibe fünf Sprachen fließend. Meine Intelligenz und hohe Wahrnehmung waren meine Überlebenswaffen. Ich konnte nie verstehen, wie andere Lebensakteure sich in meiner Gegenwart artikulieren, bewegen und benehmen. Alles außerhalb meiner Welt, war einfach unreal. Ich war so mittendrin, dass ich fest überzeugt war, dass meine Welt die perfekte ist. Ich habe keinen Fehler gemacht, und wenn ich welche gemacht habe, waren andere Schuld. Ich habe mich nie richtig gesehen. Mein Fokus war auf die äußere Welt gerichtet, eine Welt voller Lügen, Hass und Ironie. Ich wusste, dass ich ein anderes Betriebssystem habe, es war mir aber nie klar, dass ich mein eigenes System häufig und schnellstmöglich updaten muss, damit ich aus diesem Traum aufwache.

Es gab für alles immer eine Erklärung, alles lief nach Plan – nach meinem. Ich war meine eigene Marionette und gleichzeitig derjenige, der die Fäden in der Hand hatte. Ich hatte eine einsame, schöne Kindheit, mein Papa war immer arbeiten und meine Mama hatte genug mit ihrer Psyche und Haushalt zu tun. Ich war das schwarze Schaf in der Familie, alle behaupten ich wäre anders. Obwohl mein Papa Matheprofessor war, habe ich immer allein gelernt. Ich hatte mein Zimmer oben und habe gern allein Zeit verbracht. Wenn ich nicht lernen musste, habe ich wieder alle Magazine und Zeitungen nochmal durchgelesen. Je älter und erwachsener ich werde, desto schwieriger und komplizierter wurde es.

Es kam, wie es kommen musste: die Pubertätszeit. Ich musste mit Mädels was unternehmen, damit ich normaler werde und mich anpassen muss. Das haben die anderen auch so gemacht. Ich wusste nicht, wie man mit Sexualität, Liebe und Bindung umgeht. Das Einzige war, was ich in verschiedenen, nicht jungendfreien Filme gesehen habe, wie man die Liebe zu einer Frau ausdrückt, und das habe ich sehr gern getan. Aufgrund meines Aussehens hatte ich es leichter als andere, in Kontakt zu kommen. Es war ein schönes Gefühl, einen anders geformten Körper zu erforschen. Leider kam es am Anfang immer wieder danach zu Herzschmerzen und Liebeskummer. Danach wusste ich, dass die Frauenwelt noch komplizierter ist als die äußere Welt. Das Gefühl Liebe hatte auch seinen Platz unter meinen Freunden eingenommen und machte es sich bequem in meinem Leben. Nach meinem Abitur habe ich angefangen Medizin zu studieren, es war nicht meine Entscheidung. Meine Eltern wollten wahrscheinlich einen Arzt in der Familie haben. Ich wollte immer verreisen und in Europa studieren. Ich kam leider mit der wirtschaftlichen Medizin nicht klar und war immer trauriger, bis ich mich entschieden habe, mein Studium abzubrechen und mein neues Leben in Deutschland anzufangen. Die deutsche Sprache hat mich so fasziniert, sie klang anders und hörte sich ungewöhnlich an.

2001 hat meine geplante Reise nach Deutschland angefangen. Ich wollte immer weg von Zuhause, wollte den Rest der Welt sehen und meinen Heldenhorizont erweitern. Ich hatte auch keine Probleme die Sprache zu lernen, obwohl ich in der ersten Zeit sehr große Angst hatte. Es war für mich einer der größten Wendepunkte in meinem Leben, machte aber für mich neue, andere Türen auf. Ich habe mein Studium im Fach Elektrotechnik erfolgreich angefangen, mich aber immer wieder zurückgehalten, sobald das Wort Gruppenarbeit auftauchte. Ich hatte Angst vor anderen Studierenden, vorm Professor und vor der ganzen Situation mit dem neuen Bildungssystem in Deutschland. Ich habe mich einfach verlassen gefühlt, plötzlich war der Superheld schwach und hatte keine Kontrolle mehr über die Situation. Natürlich musste ich dazu noch arbeiten, um überhaupt finanziell überleben zu können. Mein Papa hat mich unterstützt, leider aber nicht stetig. Um auf eigenen Beinen zu stehen und einen Schritt Richtung Unabhängigkeit zu machen, musste ich die Zeit  an der Uni reduzieren. Somit hat sich meine Studienzeit verlängert.

2010 habe ich nach langer Suche die Frau des Lebens gefunden, mein Kopf hat versucht mich davon abzuhalten, das Herz hatte aber nach einem langen Kampf und ihrem starken Willen gesiegt. Ich durfte die bedingungslose Liebe kennen lernen, was für einen Superhelden die größte Gefahr ist. Denn die Liebe kennt keine Grenzen und Pläne. Im selben Jahr habe ich die Diagnose bekommen. Es war für mich ein gemischtes Gefühl, zum ersten Mal eine Erleichterung und Erklärung, leider auch eine riesige Traurigkeit. Es war für mich eine Bestätigung,  dass ich doch kein Superheld bin, sondern leider unter einem Syndrom leide, was keiner bis heute konkret erklären konnte. Es hat mich sehr getroffen und ich musste diesen großen Schlag überwinden. Es fiel mir überhaupt nicht leicht diese bittere Wahrheit  anzunehmen. Ich war einfach traumatisiert und betäubt und konnte mich nicht damit anfreunden oder zusammensetzen. Stattdessen habe ich mich zurückgelehnt und mich jahrelang hinter meiner Frau versteckt. Ich wollte nie drüber reden und sie hat mein Geheimnis mitgetragen, mir den Rücken freigehalten und den Raum gegeben, mich in meiner Aspiwelt zu verstecken. Es fiel mir leichter unter diesen Ängsten zu leben, als ihnen zu begegnen und gegen sie zu kämpfen.

Wir bekamen 2015 ein Wunder und Frucht unserer  Liebe, in Form eines Engels mit dem Namen Ilyes. Diese geborene Liebe war größer als die Angst vor der Verantwortung ein Kind großzuziehen und sich um ein kleines Baby zu kümmern. Knapp acht Wochen nach der Geburt hat meine Frau wieder angefangen zu arbeiten, schließlich war sie diejenige, die sich um unsere Existenz gekümmert hat. Ich durfte in der Zeit mein Herz beglücken und diese gemeine Welt für ein kleines Kind mit fröhlichen Farben bemalen. Dennoch haben wir unsere Kräfte überschätzt und es kam, wie es kommen musste. Anfang 2017 hat sie sich von mir getrennt. Ich weiß nicht, was sich schlimmer anfühlt – die Trennung oder die Diagnose. Es war für mich ein Zusammenbruch des Universums. Alles, wonach ich mich ewig gesehnt habe, alles wovon ich geträumt habe und alles, was mich am Leben gehalten hat, ist einfach vorbei. Ja, ich habe ordentlich gelitten, lag zerstört am Boden und wusste zum ersten Mal in meinem Leben, was das heißt: das Leben ist unberechenbar. Ich musste schnellstmöglich wieder auf den Beinen stehen, dabei auch noch meinen Sohn nicht vernachlässigen. Ich musste überleben und hatte die schlimmsten Gedanken, die ein Mensch je hatte.

Mir war bewusst, dass ein Superheld nicht nur in der Wahrnehmung leben sollte, sondern in der Wahrheit. Gedanken bleiben nur im Kopf, Taten aber bringen einen weiter. Ich habe mein Schicksal angenommen und angefangen, nicht dagegen zu kämpfen. Der Film, in dem ich gelebt hat, war schon zu Ende. Ich habe mit der Therapie angefangen, die ich selber bezahlen musste. Langsam wusste ich, wie gravierend mein Zustand war. Ich habe alle meine Kräfte, Intelligenz und Wahrnehmung auf mich selber fokussiert. Ich habe mich studiert und verstanden, was mich lebenslang blockiert hat. Mein größter Feind heißt Angst. Für Sie ist es ein Wort oder ein Zustand, für mich aber eine Welt, in der ich gelebt habe. Ich habe alles durch das Fenster der Angst gesehen, mich verstellt  und gedacht, dass alles außer mir nicht stimmte. Ich war am Ende die Person, die nicht perfekt ist. Ich musste alles neu programmieren, alles neu herstellen und alles ändern. Dieses ist das Schrecklichste, was einem Aspi passieren konnte. Ich habe alles anders gemacht, um mich selber neu zu finden. Ich habe innerhalb eines Jahres meinen Job viermal gewechselt, bin zweimal umgezogen und habe die schlimmsten Herzschmerzen erlebt.

So schmerzhaft wie es klingt, war es trotzdem für mich wie eine neue Geburt. Ich fühle die Angst. Aber ich habe die Kontrolle über mich und über sie. Mein Wille ist auf einmal stärker geworden, ich spüre ein unglaubliches Selbstvertrauen und enorme Lebensfreude. Mein einziger Begleiter ist mein Glaube an Gott, der Allmächtige, der Allerbarmer.  Mein Motto: da wo die Angst ist, da ist der Weg. Ich habe meine Ängste aufgelistet, den größten Teil davon habe ich schon erlebt und durfte jedes Mal eine aussuchen und mich bewusst davor stellen. Der Wille ist entscheidend.

Was ich heute so mache? Ich habe mein Studium aufgenommen, arbeite in einer Stiftung als Betreuer für einen Autisten, besuche noch eine Gruppentherapie und freue mich jeden Tag, wenn ich aufstehe, dass ich immer noch leben darf. Ich bin kein Superheld, aber wenn man will, könnte man den Superhelden rauslassen. Jeder von uns besitzt Superkräfte, die meisten von uns wissen es noch nicht. Wir Menschen können uns ändern und die komplette Welt ändern, wir müssen es nur wollen.

Interview mit Autor Kristofer Hellmann

Kristofer Hellmann ist Fantasy-Autor und hat gerade sein erstes Buch „Der Weltenbund“ aus der Zeitenstrahl-Saga herausgebracht. Im Interview verrät er, was ihn dabei inspiriert hat.

Seit wann hast Du die Diagnose Autismus? Hat sich dadurch für Dich etwas im Leben geändert?

Die Diagnose habe ich seit Anfang 2017 (Januar/Februar). Geändert hat sich für mich selbst wenig – ich kenne mich ja schon mein ganzes Leben. Allerdings sind jetzt einige Dinge klarer geworden, bzw. weiß ich jetzt, woher einige meiner Eigenarten kommen.

In welcher Form äußert sich der Autismus in Deinem Leben?

Zunächst vor allem in einer gewissen Unspontanität und Unwohlsein in großen Gruppen (das ist mir aufgefallen). Außerdem darin, unterschwellige Botschaften oft nicht zu erkennen (Stichpunkt Mimik), die „normalen“ Leuten sofort und instinktiv klar sind. (Dass dies ein autismusspezifisches Problem ist sagte man mir erst im Verlauf der Diagnostik). Seit ich die Diagnose habe und sie relevant ist (beispielsweise bei der Jobsuche) bemerke ich bei der bloßen Nennung der Diagnose eine Veränderung des Verhaltens meines Gegenübers. Das reicht von betretenen Gesichtern und peinlichem Schweigen bis hin zu Formen der Diskriminierung. Lediglich die Menschen, die mich schon vorher gut kannten (Freunde und Familie) behandeln mich noch so wie früher. Zu beachten ist, dass ich „nur“ Asperger habe.

Meinst Du, dass der Autismus Dir bei der Entwicklung Deiner Geschichten hilft bzw. geholfen hat?

Da es ein Zeichen von Autismus sei, Spezialinteressen zu entwickeln, denke ich das schon. Außerdem war ich durch meine späte Diagnose gezwungen, Menschen aktiv zu lesen (was „normale“ instinktiv tun). Dies hilft besonders bei der Charakterentwicklung und dabei, einen Charakter konstant zu halten (also zu verhindern, dass er sich widersprüchlich verhält), da ich es gewohnt bin, das zukünftige Verhalten von Menschen anhand dessen zu beurteilen, was ich schon von ihnen weiß oder sah.

Wie bist du dazu gekommen und wann hast Du zum ersten Mal den Entschluss gefasst, Dein Interesse für Fantasy-Geschichten durch das Schreiben von Büchern zum Ausdruck zu bringen?

Für Fantasy interessiere ich mich seit meinem 11. oder 12. Lebensjahr. Sowohl in Buchform, als auch in Film/Fernsehen und Videospielen. Woher die Inspirationen und Ideen ursprünglich kamen kann ich nicht mehr sagen. Einiges entwickelte sich aber aus dem, was ich sah, und Ideen, wie Geschichten anders hätten verlaufen können, wenn die eine oder andere Sache anders ausgegangen wäre („Was wäre wenn“). Im Laufe der Zeit bemerkte ich dann, dass ich Spaß daran habe, solche Geschichten nicht nur im Kopf zu haben, sondern auch auszuformulieren. Dass es dabei das Genre Fantasy wurde, liegt wohl daran, weil mir die Realität oft zu berechenbar und langweilig ist – und gerade in der Literatur oft strenge Grenzen gesetzt werden.

Aus dem ersten Band soll eine ganze Fantasyreihe entstehen. Gibt es schon genaue Pläne, wie viele Bände die Reihe enthalten soll und wird schon an einem zweiten Band gearbeitet?

Die Einteilung der Reihe ist schwierig, da es keine klassische Reihe in dem Sinne ist, als dass es mehrere Bände werden, weil der Seitenumfang so groß ist. Vielmehr besteht die große Reihe aus kleinen Reihen, von denen der Leser gar nicht unbedingt alle lesen muss.

Dies ist dem Umstand geschuldet, dass ich den roten Faden realistisch gestalte: In Romanreihen führt meist eins zum anderen, Aktion und Reaktion. In der Realität sind oft mehrere Impulse nötig, damit ein großes Ereignis eintritt – oder ein Ereignis setzt eine Flut Folgen in Gang. (Ein Beispiel: Der Untergang des Römischen Reiches kam nicht nur durch die Absetzung des letzten Weströmischen Kaisers durch einen „Barbaren“ zustande. Das hätte nie geschehen können, wenn nicht zuvor wirtschaftliche Schwierigkeiten und z.B. Aufstände in anderen Provinzen das Reich schon geschwächt hätten. Selbst für den besagten Barbaren war zuvor der Einfall der Hunnen nötig, damit er überhaupt nach Italien zog.)

Meine „Reihe“ beleuchtet die verschiedenen Ereignisse, die später zum „großen Clou“ führen. Wie bei meinem Beispiel wird ein Leser aber nicht gezwungen, wirklich alles zu lesen, die Bände sind so aufgebaut, dass er das eventuell fehlende Wissen als eine Art Readers-Digest-Version bekommt.

Hinzu kommt, dass sich die Charakterkonstellationen ständig ändern, Haupt- und Nebencharaktere wechseln oft die Rollen. Ich arbeite zur Zeit an einem Band, der je nachdem, wann der Leser ihn liest, als (chronologisch) dritter Band oder als 14 (oder so) funktioniert.

Hinzu kommen noch tatsächliche Prequels und „Spin-Offs“

Um die Frage nach dem Umfang zusammenzufassen: Mein Leser kann der Geschichte so weit folgen, wie er möchte. Aber er wird zu nichts gezwungen, die unabhängigen Einzelhandlungen haben den Umfang von einem bis vier Bänden.

Er muss nicht einmal unbedingt mit dem ersten beginne, obwohl ich für das Verständnis der Welt dazu rate. Mein Leser wird aber immer wieder sanft an die wichtigen Dinge erinnert, auch jemand, der ein Jahr oder mehr Pause zwischen zwei Bänden macht, wird schnell wieder reinkommen.

An dem zweiten Band wird insofern nicht gearbeitet, als dass er seit einigen Jahren fertig ist. Zu beachten ist: Ich habe den ersten Band jüngst veröffentlicht. Im selben Zeitraum habe ich am (chronologisch) neunten Band gearbeitet, der seit zwei Wochen ebenfalls fertig ist (an der Reihe arbeite ich seit 10 Jahren).

Das Erscheinen des zweiten Bandes („Die Rückkehr der Dunklen“) ist für Sommer 2018 geplant.

Hast Du die Geschichte der Fantasyreihe bereits im Kopf abgeschlossen oder möchtest Du sie Stück für Stück weiterentwickeln? Wie bist du überhaupt zu einer solch fantasievollen Geschichte gekommen, wurdest du eventuell inspiriert?

Das Ende steht fest und der grobe Weg dahin auch. Da man aber nie weiß, wann die Inspiration zuschlägt, gibt es innerhalb gewisser Grenzen Spielraum. Potentielle Weiterentwicklungen in Form von Vorgeschichten und Spin-Offs sind möglich. Ich spiele beispielsweise mit dem Gedanken von kurzen Krimigeschichten in dieser Fantasywelt. Inwiefern ich dafür die nötigen Ideen bekomme, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Alle meine Geschichten werden in der Welt Nan spielen – aber nicht unbedingt am selben Ort. Eine Welt ist groß.

Inspiration fand ich natürlich gerade bei jenen Autoren und Geschichten, die ich vor meiner aktiven Zeit als Autor las. Zur Fantasy kam ich (klischeehaft) durch Tolkiens „Herr der Ringe“, der letzten Schubs zum Selbstschreiben kam durch Bernhard Hennen (damals vor allem „Die Elfen“). Aber ich bin auch ein riesiger Fan von H.P. Lovecraft – was mein Leser wahrscheinlich an einigen Stellen bemerken wird. Da ich aber auch Historische Romane, Krimis und Sachbücher verschlinge, fließen auch Einflüsse davon bei mir ein.

Es wurden im Zuge des ersten Buches acht Sprachen mit einer eigenen Schrift und Grammatik geschaffen – Bestand schon immer ein derartiges Interesse für Sprache und die Welt der Magien?

Für Sprachen ja, da ich ein Talent im Erkennen von Mustern besitze (wohl auch dem Autismus geschuldet), auch Grammatiken etc. weisen Muster auf. Außerdem finde ich es interessant, wie sich Sprachen völlig unterschiedlich entwickelten (Vergleich Deutsch und Japanisch) oder ganz ähnlich (wie die romanischen Sprachen Französisch, Spanisch, Italienisch).

Magie interessiert mich insofern, als dass ich in der Literatur oft eine gewisse Willkür dabei vorfand. Daher wird mein Leser bemerken, dass selbst die Magie bei mir quasi-realistisch/rational erklärt wird.

Ich bin aber niemand, der an Zauberei oder Geister glaubt und bin auch nicht religiös. Meine Bücher sollen unterhalten und dem Leser eine Pause von der Realität gönnen – und auch mir als Autor. Daher arbeite ich mit Themen, Elementen und auch Ansichten, die ich privat gar nicht unbedingt vertrete (lediglich die Religion bleibt bei meinen Büchern – ganz untypisch für Fantasy- weg. Mein Leser wird nicht einen einzigen Gott dort finden, erst recht kein Pantheon oder Prophezeiungen).

Hast du persönliche Erfahrungen und Erlebnisse in Deine Geschichten integriert?

Ich baue keine realen Personen ein. Allerdings kommt jede Inspiration aus der Wirklichkeit, wird aber im Schaffensprozess stark abgewandelt. Als Ausgangspunkt können einzelne Äußerungen oder kurze Ereignisse (oder auch Missverständnisse) dienen. Auch Träume bieten sich dafür an.

Dein erstes Buch ist nun schon ein paar Wochen auf dem Markt. Bist du mit der bisherigen Resonanz zufrieden?

Da ich von vornherein keine Ansprüche und Erwartungen hatte, kann ich dies nicht beantworten. In meinem persönlichen Umfeld gibt es niemanden, der Fantasybücher liest. Entweder sie lesen – aber keine Fantasy – oder sie interessieren sich für Fantasy, lesen aber nicht. Daher habe ich keine private Basis, die als Katalysator für den Verkauf dienen könnte (und nur über verkaufte oder verliehene Exemplare kann man Rückmeldungen bekommen – wer’s nicht liest, kann nichts dazu sagen). Ich starte quasi in einem Vakuum. Darüber hinaus ist es normal, wenige Rückmeldungen zu bekommen, besonders bei Onlinekäufen. Die Menschen beschweren sich gern, keine Antwort bedeutet im Allgemeinen, dass alles zur Zufriedenheit ist.

Nach Deinen Erzählungen hast Du nun sicherlich viele unserer Leser und Leserinnen auf Dein Buch aufmerksam gemacht. Wo ist „Weltenbund“ momentan erhältlich?

„Der Weltenbund“ sollte in so ziemlich jeder Buchhandlung erhältlich sein. Oft muss man jedoch nachfragen, gerade Onlinehandlungen haben Debütanten, die bei keinem großen Verlag sind, nicht aktiv im Sortiment. Aber sie haben, wenn es sich um vernünftige Läden handelt, Zugang dazu, denn das Buch ist in der Buchhändlerkartei VLB gelistet!

Als erster Ansprechpartner kann Decius Celle dienen, außerdem Amazon.de. Und natürlich können Bestellungen auch direkt über die Homepage www.zeitenstrahl-saga.de aufgegeben werden.

Das Buch ist in gedruckter Form, aber auch als E-Book erhältlich.

Vielen Dank für das Gespräch!

Meine Erfahrungen auf der Arbeit mit Asperger

Vor ca. einem Jahr bekam ich die Diagnose Asperger-Spektrum-Störung. Anlass war, dass ich meine Ärztin, bei der ich wegen Depressionen in Behandlung bin, direkt einmal fragen musste, ob ich vielleicht etwas bescheuert bin.

Weil ich sonntags einfach nicht auf die Füße komme, oder irgendwie den Einschaltknopf bei mir nicht finde, habe ich einen Minijob angenommen. Diejenigen suchten für ein cooles Team in einer Bar eine Putzhilfe oder auch als Barkeeper, aber das hatte ich mir nicht zugetraut, wegen der Arbeitszeit und so weiter und so fort. Jedenfalls stimmt es, dass es eine coole Location ist und insgesamt stimmt es auch. Ich bin dort meistens alleine, wenn ich dort putze, gestatte mir aber beim Putzen meine Playlist über die Anlage laufen zu lassen. Es gibt viele Gründe, weswegen ich das mache. Die drei Besitzer der Cocktail-Bar machen sich garantiert Gedanken, was wohl mit mir los ist. Jedenfalls am erstenTag hatte ich den Sicherungskasten zu bedienen mit Kühlung, Licht oben unten, Lüftung und so weiter. Ich bin ungefähr drei Mal dabei gewesen, ich glaube sogar vier Mal, nein drei Mal, ich weiß es nicht mehr. Panik, Zweifel an meiner selbst alles falsch zu machen. Dann bin ich wieder hingefahren, habe es genau andersrum gemacht – dann war die Außenbeleuchtung an, aber es war ja noch gar nicht geöffnet! Ich habe wieder telefoniert und ich bin abgedreht. Es drehte sich tatsächlich alles in meinem Kopf. Kein klarer Gedanke mehr möglich. Am nächsten Tag hatte ich, nachdem Textnachrichten hin und her, her und hin gegangen waren, denjenigen angerufen, der mich praktisch eingestellt hatte. Und weil er nicht ans Telefon ging, musste ich ihm dann einfach auf die Mailbox quatschen. Bestimmt, es kam mir also ewig vor, habe ich mich um Kopf und Kragen geredet, meine Kündigung vorgeschlagen, auch wie das mit der Kündigung vonstattengehen soll und so weiter. Wochenlang google ich nach Minijobs, an denen ich sehen könnte, ob sie eben für mich schon einen Ersatz suchen. Nein, ich wurde nicht fündig. Also ich bin immer noch dabei, es tut mir gut sage ich mal, komme also in Gang. Ja, ich mache auch inzwischen einmal in der Woche wieder Sport, also wenn ich es schaffe. Irgendwie geht mein Akku ziemlich schnell leer und ich brauche auch ziemlich viel Zeit, diesen wieder geladen zu haben. Mehr kann ich zu meiner Diagnose eigentlich erst einmal nicht sagen. Höchstens, dass es wirklich schwierig ist, mit solch selbstfabrizierten Blamagen klar zu kommen und irgendwie drüber zu stehen. In der E-Mail mit der Job-Zusage war im Anhang der Plan zu den Sicherungen. Das sah ich dann im Nachhinein.

Leben auf Zeit. Von Bianca Bräulich

„Auf der Leinwand verläuft die Farbe

Schief hängt das Bild und doch so gerade

Und die Schönheit der Kunst, die ich schuf

Verliert sich stetig nun im Konjunktiv

Während die Muse, die ich dann ruf

Feststellt, stille Wasser sind nicht tief

Und wer ist hier Knochen, wer ist Hund?

Der Kreisel dreht sich unbarmherzig um 360 Grad

Der Wind durch den du mich schlägst schmeckt fad

Dir anschließend noch die Nacht um die Ohren

Weiß ja auch nicht wohin ich will, du willst

Will denken, doch Gedanken sind verworren

Während du nun alte Sehnsüchte stillst

Und wer ist der Esel, der mich nun tritt?

Die Musik macht den Ton und den Kohl noch fett

Ein Stein fliegt durchs Fenster hinein in mein Brett

Da sehe ich den Baum vor lauter Wäldern doch nicht

Das Schaf im Wolfspelz schlummert mir im Schoß

Und das goldene Kalb beginnt seinen Tanz um mich

Über manches wächst weder der Hanf noch das Moos

Und wer scharrt jetzt noch mit den Hufen?“

Buchempfehlungen zum Thema Autismus von Michael Schmitz                                   

Im Bereich Autismus werden jedes Jahr zahlreiche neue Bücher veröffentlicht – ein Segen für Menschen, die sich zu diesem Thema informieren möchten, mittlerweile aber auch manchmal schwer, eine Auswahl zu treffen. Deshalb hier eine Empfehlungsliste für Autismusbücher. Die ist natürlich recht subjektiv, wenn man sich nicht an Verkaufszahlen orientieren will, aber vielleicht ist auch für Sie etwas dabei.

1. Daniela Schreiter mit Ihren Schattenspringer-Büchern und – ganz frisch erschienen – das „Autistic-Hero-Girl“. Für mich die am leichtesten zu lesenden Fachbücher überhaupt: Es sind Comics, in denen die Autorin ihren Autismus sehr anschaulich in Szene setzt. Muss man gelesen haben, einfach brillant.

2. M. v. Juterczenka: „Wir Wochenendrebellen“. Am liebsten sind mir Bücher, die von Menschen mit Autismus geschrieben wurden. Fachbücher sind wichtig, keine Frage, aber immer wieder spannend sind Bücher mit authentischem Hintergrund. Hier haben wir mal einen Vater, der ein revolutionäres Buch geschrieben hat. Sein Sohn kann seinen Autismus nicht ablegen, also muss die Welt um ihn herum passend gemacht werden. Das macht er bis zur Schmerzgrenze in einem wunderbaren Erzählstil. Ein ganz neuer Ansatz, ganz sicher nicht für jede Familie umsetzbar. Das Thema „Suche des Fußball-Lieblingsvereins für den Sohn“ bildet dabei einen zusätzlich interessanten Rahmen, man muss aber Fußball nicht mögen, um das Buch zu lesen.

3. Temple Grandin darf in der Liste nicht fehlen, auch oder vielleicht gerade, weil ihre Bücher schon älter sind. „Durch die gläserne Tür“ ist das erste, von einer Autistin geschriebene Buch überhaupt. Immer noch wichtig und sehr gut. Die „bekannteste Autistin weltweit“ wurde vom Time-Magazin 2010 in die Liste der einflussreichsten Personen der Welt aufgenommen.

4. Melanie Matzies-Köhler, Gee Vero: „Meine Brücke zu dir“ dokumentiert einen Briefwechsel zwischen einer nichtautistischen Psychologin und einer sehr reflektierten Autistin. Hier werden Fragen gestellt und offen beantwortet, um das Innenleben einer Autistin und ihren Blick auf die Welt zu verstehen.

5. Peter Schmidt, der mittlerweile vier Bestseller herausgegeben hat, ist sicherlich der bekannteste Autor in diesem Bereich in Deutschland. „Ein Kaktus zum Valentinstag“ ist lustig und ernst zugleich. Er versteht es wie kein anderer, seine Einschränkungen zu thematisieren, sie pointiert darzustellen und seine unterschiedliche Wahrnehmung verständlich zu machen. Oft ein Spiegelbild für Nichtaustisten, die meist unklar kommunizieren und sich unerwartet verhalten.

6. Das Thema Arbeit ist für Menschen mit Autismus natürlich auch wichtig, daher an dieser Stelle der Hinweis auf das Buch von Ina Blodig: „Hochfunktionale Autisten im Beruf“. Ein Fachbuch, wie man warum und mit welcher Unterstützung den Einstieg und den Verbleib im Arbeitsleben schaffen kann. Dazu passt das von der Autistin Rudy Simone geschriebene „Asperger im Berufsleben“. Mit klaren Worten gibt sie sehr gute und persönliche Tipps für diesen langen Lebensabschnitt.

7. Wer sich intensiver mit der Geschichte und dem Hintergrund der Autismusforschung beschäftigen möchte, bekommt mit Steve Silberman: „Geniale Störung“ ein dickes, spannendes Buch ins Haus. Autismus ist eine psychologische Diagnose, mit der viel Schindluder getrieben wurde – und noch immer wird. Er räumt hier gründlich auf und hat als Wissenschaftsjournalist einen packenden Schreibstil.

8. Ein schönes Buch für Männer ist John Elder Robison: „Schau mich an!“ Er baut die feuerspeienden Gitarren der Rockgruppe KISS und geht den mit denen auf Tournee. Aspie goes Rock ´n´ Roll. Er erfindet die ersten sprechenden Spielzeuge und wird erst sehr spät diagnostiziert, was sein Leben anschließend in neue Bahnen lenkt.

9. Eva Daniels: „Geliebter Fremder“. Wie Frauen ihren Asperger-Mann lieben und verstehen ist dann mal eher ein Frauenbuch, das tiefe Einblicke in die Beziehungskisten bietet, wie auch Bob und Corinne Fischer in „Ich liebe einen Asperger“.

10. Robin Schicha ist noch ein Tipp für Schüler und Eltern, denn er hat seine Schulerlebnisse in „Außerirdische Reportagen vom Schulalltag“ sehr authentisch aufgeschrieben und den Blick eines Schülers auf das Konstrukt Schule sehr gut festgehalten. Axel Brauns mit seinem „Buntschatten und Fledermäuse“, einem frühen deutschen Bestseller, hat auch sehr viel aus dieser Zeit zu berichten.

11. Ganz frisch erschienen, muss noch auf die Liste: Ein Vater mit seinen beiden Jungs. Luis Bayardo beschreibt in „Lebensreise eines Vaters“ seinen Weg, die Diagnose für seine Jungs annehmen zu können. Pflichtbuch für jeden Vater.

12. Noch im Februar wird das neue Buch von Dietmar Zöller erscheinen: „Jenseits der Lebensmitte“. Zöller ist der bekannteste deutsche nichtsprechende Autist, der mittlerweile sein 13. Buch verfasst hat. Sehr beeindruckend. Hier sind nun seine Reflexionen als erwachsener Autist zu lesen. Es ist sehr selten, einen solchen Einblick zu erhalten.

Ach, man könnte diese Liste unendlich weiterführen, zu viele Bücher bleiben unerwähnt. Daher nutzen Sie die umfangreichste kommentierte Bücherliste, die es im Internet gibt unter autismus-buecher.de. Die meisten Bücher gibt es übrigens auch als eBooks. Viel Spaß beim Lesen.

Viele Grüße,
Michael

Psychische Normativität. Von Bianca Bräulich

„Für alles gibt es eine Norm… Für alles gibt es einen Wert, der oft auch exponentiell zusammenzuhängen scheint mit den Abweichungen, die Individuen von dieser Norm wagen.

Wage es doch bitte nicht, über einen längeren Zeitraum hinweg nicht richtig zu funktionieren. Denk an die Kinder, deren Alltag Krieg und Hunger ist. Denk an deinen Bekannten, der kürzlich einen schlimmen Schicksalsschlag erleiden musste und trotzdem seinen Alltag meistern kann. Was nimmst du dir denn das Recht heraus nun psychisch erkrankt zu sein und dich schlecht zu fühlen? Nicht zu arbeiten? Nicht einmal mehr in deinem engsten Freundeskreis verlässlich zu sein? Denk doch einmal, einmal an die anderen…

Die Vergangenheit liegt hinter dir. Depressionen und Suizidalität sind ja so etwas von unmännlich und schwach. Was willst du denn? Schämen solltest du dich für die Narben an Körper und Seele. Das hilft bestimmt.“

Die nächste Ausgabe des Honigreise-Magazins erscheint im Sommer. Wir hoffen, dass Ihnen die aktuelle Ausgabe gefallen hat und freuen uns über Rückmeldungen in den untenstehenden Kommentaren oder per E-Mail!

2 Gedanken zu „Honigreise – Frühlingsausgabe

  1. Diese Honigreise durch die Texte lässt im Mund einen markanten Geschmack zurück. Dabei ist der Honig eine sehr interessante Mischung: er ist weich wie Poesie, wird aber auch hart wie Fakten. Er ist zäh wie das echte Selbst, und leuchtet kraftvoll. Mal sehen, was der Sommer für Blüten bringt…

    1. Hallo Sebastian, danke für deinen Kommentar.
      Uns ging es beim Lesen der Texte ähnlich, sehr passend deine Formulierung.
      Grüße vom Honigreise-Team

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